Heilpflanze des Jahres 2013: Damaszener-Rose

Die Damaszener-Rose

Der NHV Theophrastus kürte die Damaszener-Rose zur Heilpflanze des Jahres 2013. Die Wahl fiel dabei nicht von ungefähr genau auf dieses Mitglied der Rosenfamilie, dessen heilende und gesundheitsfördernde Kräfte im Lauf der Jahrtausende schon Menschen in aller Welt unterstützt haben. Indische und arabische Ärzte wussten schon lange vor Christi Geburt um die vielseitige Heilkraft der „Königin der Blumen“. In Europa haben anerkannte Heilkundige wie Plinius der Ältere, Hildegard von Bingen und Paracelsus früh die gesundheitsfördernde Wirkung der Damaszener-Rose beschrieben.
Der modernen Naturheilkunde gilt das Damaszener-Rosenöl u.a. als unterstützendes Therapeutikum bei Bronchitiden, Hauterkrankungen, Herzrasen und Geschwüren. Beschrieben ist auch eine stimmungsaufhellende Wirkung bei Depressionen und ein harmonisierender Effekt bei verschiedenen emotionalen Belastungszuständen. Die Wiederherstellung einer inneren Balance spielt auch beim Einsatz des Rosenöls als Kosmetikum eine Rolle. Denn die schönheitsdienliche Aromatherapie entspricht dem alten Lehrspruch, dass wahre Schönheit immer von innen kommt.

Die Damaszener-Rose: Geschichte einer Königin

Die Damaszener-Rose gehört zu den sogenannten alten Rosen, das sind gemäß der Definition verschiedener Fachverbände alle Rosenklassen, die bereits vor 1867 kultiviert wurden. Die Gruppe der Damaszener-Rosen verbreitete ihren betörenden Duft allerdings bereits in den Rosengärten der Antike. Gezüchtet wurde Rosa damascens – so der botanische Name - vermutlich vor über 3000 Jahren in Persien, Pate standen dabei noch älteren Zuchtformen, unter anderem Rosa gallica und Rosa moschata. Die Blütenblätter der Damaszener-Rose schmückten heimkehrende Soldaten, standen im Dienst von Begräbniszeremonien und waren fester Bestandteil üppiger Festgelage. Kreuzritter brachten das edle Gewächs im 13. Jahrhundert nach Frankreich, von wo aus sie fortan nicht nur Naturliebhaber, sondern auch Künstler, Herrscher und Heilkundige inspirierte. Vielen Kulturen gilt die Rose bis heute als widersprüchliches Sinnbild für Liebe und Verführung, Zartheit und Kraft, Leben und Tod. Etliche Königshäuser nutzten und nutzen den Blütenstand der Rose als Wahrzeichen ihrer Macht. Bekanntestes Beispiel sind die rote und die weiße Damaszener-Rose der britischen Häuser Lancester und York, die sich nach den sogenannten Rosenkriegen im 15. Jahrhundert zur wohl bekanntesten Wappenrose der Welt, der Tudor-Rose des englischen Königshauses, vereinigten.

Botanische Besonderheiten

Die Damaszener-Rose wächst als Strauch bis auf eine Höhe von 1,5 bis 3 Meter. Die biegsamen Triebe sind durch schmale, hakenförmige Stachel geschützt und beherbergen 5-7teilige Blätter, deren Unterseite weich behaart ist. Die Blütenstände sind typischerweise von langen Kelchblättern umgeben.
Rosa damascens blüht rosa bis weiß, die überhängenden Blüten sind gefüllt oder halbgefüllt und entwickeln sich je nach Art ein- bzw. zweimal im Jahr (Sommer- bzw. Herbstdamaszener). Aus dem Blütenboden entwickeln sich nach der Blüte längliche Hagebutten.
Die sogenannten Sommerdamaszener blühen von Mai bis Juni und liefern das Ausgangsmaterial für das Damaszener-Rosenöl. Eines der bekanntesten Anbaugebiete für diese Rosenart liegt heute in Bulgarien, wo im „Tal der Rosen“ vor allem die Sorte Trigintipetala angebaut wird, die aufgrund ihres vergleichsweise hohen Ölgehalts auch als „Bulgarische Ölrose“ bezeichnet wird.

Rosenöl und Ölgewinnung

Rosenöle gehören zu den komplexesten, natürlichen Substanzgemischen, die wir kennen. Das ätherische Öl der Damaszener-Rose besteht aus über 350 Komponenten, die längst noch nicht alle charakterisiert sind. Bekannt sind aber zum Beispiel die Hauptbestandteile des bulgarischen Rosenöls, das sind u.a. Citronellol, Geraniol und Nerol. Den charakteristischen Rosengeruch verdankt dieses Öl dem 2-Phenylethanol, einem Alkoholderivat, das auch in Hyazinthen, Geranien und Nelken zu finden ist. Nachahmer machen sich in der Regel die bekannteren Inhaltsstoffe des Rosenöls zunutze, um synthetische Nachbildungen auf den Markt zu bringen. Plagiate verraten sich jedoch immer über den Preis, denn echtes Rosenöl ist sehr teuer.
Um einen Liter davon herzustellen, braucht es 4 bis 5 Tonnen Blütenblätter. Diese müssen bereits früh am Morgen geerntet werden, denn steigende Temperaturen begünstigen die Verdunstung. Der Ölgehalt in den Blüten verringert sich deshalb im Tagesverlauf.
Rosenblüten liefern je nach Weiterverarbeitung verschiedene Endprodukte. Rosenöl („Rosendestillat“) und Rosenwasser („Rosenhydrolat“) werden mithilfe der Wasserdampfdestillation gewonnen. Gebräuchlich ist aber auch die Behandlung der Blütenblätter mit flüchtigen Lösungsmitteln. Mit dieser Methode lässt sich das sogenannte Absolue extrahieren. Destilliert man Rosenblüten nach einer alten indischen Verfahrensweise auf Sandelholz, erhält man den sogenannten „himmlischen Duft“, den Rosen-Attar.

Weiterführende Informationen: nhv-theophrastus.de

Fotografie: Huhu / wikipedia.de

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